27.06.2021 / Artikel / / , , ,

Der neue CVP-Präsident in den Medien

Nachstehendes Porträt von:
Saskia Baumgartner, Schaffhauser Nachrichten v. 25.6.2021, S. 19

Jung, motiviert, CVP-Präsident

Luka Vojinovic ist neuer Präsident der kantonalen CVP – und
das, obwohl er noch kein politisches Mandat hat. Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat der Neuhauser dennoch bereits, unter anderem wegen seines früheren Jobs als Türsteher.

Mit 21 Jahren wurde Luka Vojinovic Türsteher im Schaffhauser Club Orient. Seine Grösse und Statur – «damals wog ich noch 20 Kilo mehr» – waren gute Grundvoraussetzungen. Noch wichtiger aber sei es, gut zu kommunizieren und freundlich zu sein, sagt Vojinovic. «Ich war fünf Jahre Türsteher und hatte nie Probleme», sagt der heute 29-Jährige.

Indirekt war es auch dieser Job, der dem neuen Präsidenten der kantonalen CVP die Türe zur Politik öffnete (SN vom 12. Mai). Allerdings zunächst zur GLP. Die Partei war durch ein Partyfoto von einer Feier im Orient auf Vojinovic aufmerksam geworden. Sie fragte ihn daraufhin an, ob er für die Kantonsratswahlen ins Rennen gehen würde. Vojinovic hatte sich schon vorher für Politik interessiert, die GLP sagte ihm zu, also willigte er ein. Er war später auch einer der Mitinitianten der Jungen GLP und kandidierte 2019 für den Nationalrat. Bei den Erneuerungswahlen 2020 waren die Grünliberalen die grossen Gewinner – sei es im Kantonsrat, im Grossen Stadtrat oder im Neuhauser Einwohnerrat, in den die GLP mit zwei Vertretern erstmals einzog. Doch da war Vojinovic schon aus der Partei ausgetreten.

Wechsel von der GLP zur CVP

«Ich gönne ihnen den Erfolg», sagt Vojinovic heute. Die Gründe für seinen Rückzug aus der GLP möchte er nicht nennen. Es sei aber nichts «Spektakuläres» vorgefallen. Kurz nach seinem Entscheid, aus der Partei auszutreten, sei die Anfrage der CVP gekommen. Mit deren offenen Ausrichtung könne er sich gut identifizieren. Hier würden Entscheidungen sachlich gefällt. «Ich fühle mich sehr wohl bei der CVP. Das Vertrauen ist da, sonst wäre ich nicht als Präsident gewählt worden.» Er freue sich nun auf neue Begegnungen und auf die Diskussionen zur künftigen Ausrichtung der Partei, die auch im Kanton bald in «die Mitte» umgetauft wird. «Es geht darum, herauszufinden: Wo müssen wir uns öffnen, was wollen wir beibehalten?»

Die CVP hat, wie andere Parteien auch, ein Nachwuchsproblem. Das müsse an­gegangen werden. Vojinovic ist hier opti­mistisch. «Die Jugend ist politisch aktiv, das hat sich in den letzten Jahren ver­ändert.» Wichtig sei, sie richtig abzuho­len. Zwar liegen bei den Jüngeren im Moment eher grüne Parteien im Trend. Vojinovic glaubt aber, dass die CVP jungen Menschen auch viel zu bieten hat. Gerade, weil die Partei offen sei und sich nicht klar links oder rechts positioniert. «Was die Jungen bei uns auch erleben, ist eine gute Diskussionskultur», sagt er. Treten junge Menschen der Partei bei, sei es wichtig, diese sofort in die Parteiarbeit ein­zubinden und ihnen Verantwortung zu übertragen. So wie es bei ihm selbst geschehen ist. Ein Jahr nach seinem Parteieintritt und ohne politisches Amt ist er ­bereits Parteipräsident der CVP. Er löste Nathalie Zumstein ab, die im 68. Lebensjahr kürzer treten wollte. «Wenn mich jemand vor fünf Jahren nach meiner Zukunft gefragt hätte, hätte ich das vermutlich nicht vorausgesehen», sagt Vojinovic. Seine politische Laufbahn habe sich «einfach so ergeben». Wie vieles in Vojinovics Leben, auch im Beruf.

Mitarbeiter beim Jugendtreff

Nach seiner KV-Lehre beim Kanton Schaffhausen arbeitete Vojinovic als Türsteher. Daraus ergaben sich weitere Auf­gaben im Bereich Sicherheit. Vojinovic war Instruktor für Selbstverteidigung, arbeitete im Personen- und Objektschutz – zuletzt in einer Kaderstelle. Er machte eine Ausbildung zum Waffenträger, was in ein neues Hobby mündete: Er wurde Mitglied bei den Neuhauser Pistolenschützen. «Ich geniesse es, draussen zu sein, mich auf die Atmung und das Ziel zu fokussieren.»

Vojinovic war aber auch schon früh im sozialen Bereich tätig, in der Stadt Schaffhausen arbeitete er in der Quartierentwicklung mit Senioren und Menschen mit Migrationshintergrund zusammen und leitete einen Kindertreff. Als 2018 im Neuhauser Jugendtreff eine Stelle frei wurde, fragte man Vojinovic an. Seitdem ist er hier tätig.

Vorfreude auf Einwohnerrat

Das Einzige, was sich nicht einfach so ­ergab, war das Bachelor-Studium der Sozialen Arbeit, das er nach drei Semestern abbrach. An dieses sei er wohl etwas zu naiv herangegangen, sagt Vojinovic. «Ich war zwar schon 22, als ich damit anfing, aber ich habe unterschätzt, wie viel Theorie dazugehört.» Er habe damals schon mehrere Jahre mit jungen wie älteren Menschen zusammenarbeitet und sei sich seiner Fähigkeiten und Erfahrungen wohl zu sicher gewesen.

Eine Ausbildung im sozialen Bereich wolle er aber noch nachholen. Nun steht mit dem Präsidium jedoch erst einmal viel Arbeit an. Und mit dem Einwohnerrat. Weil der Neuhauser Parlamentarier Marcel Stettler den Wohnort wechselt, rückt Vojinovic per August für ihn nach. Ein Amt, auf das er sich sehr freue. In Neuhausen hat die CVP in den letzten Jahren einige Rückschläge hinnehmen müssen. Zwar stellt sie mit Christian Di Ronco ein Gemeinderatsmitglied, im 20-köp­figen Einwohnerrat aber ist sie nur noch mit einer Person vertreten – 2013 bis 2016 waren es noch drei Einwohnerräte. Per Anfang Mai wurde die Neuhauser Sektion aufgelöst. «Es ging darum, Ressourcen zu bündeln», sagt Vojinovic.

Noch ist Vojinovic politisch ein unbeschriebenes Blatt. Was kann man von ihm erwarten? «Ich bin gegen politische Angstmacherei», sagt Vojinovic. Er wolle lieber Ideen einbringen und kooperativ sein, statt Dinge zu zerreden. «Mir ist wichtig, dass Leute an einem Strang ziehen und immer fair zueinander bleiben.»

Zur Person

Luka Vojinovic, Jahrgang 1992, ist in Neuhausen am Rheinfall aufgewachsen. Von 2016 bis 2019 war er GLP-Mitglied, 2020 folgte der Wechsel zur CVP. Im Mai 2021 gab die Partei bekannt, dass Vojinovic das Präsidium der Kantonalpartei übernimmt. Per August rückt er in den Neuhauser Einwohnerrat nach.

«Ich bin gegen politische Angstmacherei. Ich will lieber Ideen einbringen und kooperativ sein.»

Obiges Porträt von:
Saskia Baumgartner, Schaffhauser Nachrichten v. 25.6.2021, S. 19